Eines Tages wachte ich auf — und war mit Tränen überströmt.
Der Gedanke, in die Arbeit zu gehen, zerriss mich. Die ganze Nacht hatte ich nicht geschlafen, und als mir dann um 4:30 Uhr die Augen zufielen, war es umso schlimmer, als mich um 6 Uhr der Wecker unsanft weckte. Mit verquollenen Augen stand ich auf. Völlig gerädert wackelte ich schlaftrunken aufs Klo.
Was hatte ich mir nur gedacht, die Stelle anzunehmen? Warum dachte ich auf einmal, ich könnte eine Führungskraft in so einem Laden sein? Ich wusste doch, dass die meisten Männer ganz anders ticken als ich. Vor allem in diesem Fachgebiet. Da ging es nicht darum, schnell Erfolge zu erzielen, sondern sich um Grundsatzfragen zu streiten. Und ich mittendrin — ungeduldig, immer mit dem Drang, Themen anzustoßen und weiterzubringen.
Und doch saß ich nun auf dem Klo, den Kopf in die Hände gestützt, und die Tränen liefen. Tanja, reiß dich zusammen, das ist jetzt auch kein Drama, sagte die eine Stimme. Und die andere flüsterte ganz leise und beständig: So kann es nicht weitergehen. Du machst dich kaputt.
Sie schien sauer zu sein. Genervt von der ständigen Demütigung durch meine eigenen Gedanken hörte ich sie sagen: Jetzt reicht es. Hör auf zu jammern.
Drei Optionen — eine Entscheidung. Und die fällt heute. Nicht irgendwann. Nicht morgen. Jetzt.
Ich musste erst einmal duschen. Vielleicht wird es dann klarer. Wie unter einem Wasserfall stand ich in der Dusche. Das Wasser verschloss sich wie ein durchsichtiger Vorhang vor meinem Auge. Das Rauschen in meinen Ohren machte die Stimmen in meinem Kopf dumpf und weit weg.
Und da kam mir der Einfall: Du hast doch gelernt, dass man Entscheidungen nur in einem Kraftzustand treffen sollte. Abhängig davon, in welchem emotionalen Zustand man ist — ob Angst, Freude, Euphorie — trifft man für die gleiche Frage unterschiedliche Entscheidungen. Und die Entscheidungen aus Angst oder Trauer sind meist nicht die besten.
Also: Dusche aus, Handtuch um — und dann der Powermove. Eine Bewegung, die mir Kraft gibt. Kurz, prägnant, kraftvoll. 1, 2, 3 — und nochmal. Ich merkte, wie sich mein Zustand veränderte. Physisch, aber auch geistig.
Was, wenn der Ausstieg der viel mutigere Schritt ist? Was, wenn die Geschichte in deinem Kopf falsch geschrieben wurde?
Was, wenn hinter der Entscheidung ein neuer Anfang steht? Einer, in dem alle auf ihre Kosten kommen — du, dein Mann, deine Kinder. Was, wenn es kein entweder–oder, sondern ein gemeinsam gibt?
Du stehst jetzt am Scheideweg. Welchen Weg schlägst du ein? 1, 2 oder 3?
Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht.